die berühmteste Stehbierhalle der Reeperbahn
Kaum ein Ort auf St. Pauli wurde vielleicht so gut dokumentiert wie das Café Lehmitz. Und das, obwohl es sich ursprünglich um nichts weiter als eine einfache Stehbierhalle handelte – mit durchgesessenen Stühlen, trübem Bier und Menschen am Rand der Gesellschaft. Doch genau dieses Umfeld machte das Lokal zu einem Mikrokosmos des Kiezes: ehrlich, laut, verletzlich und direkt. Kein Hochglanz, kein Chichi – dafür echtes Leben im Halbschatten des Hafens.
Ein Ort, der Geschichte schrieb – in Schwarz-Weiß
Berühmt wurde das Café Lehmitz nicht durch Prominente oder Glamour, sondern durch den schwedischen Fotografen Anders Petersen. Zwischen 1967 und 1971 verbrachte er unzählige Nächte im Lokal, sprach mit den Gästen, trank mit ihnen – und fotografierte. Was dabei entstand, war eine der eindrucksvollsten Serien dokumentarischer Fotografie des 20. Jahrhunderts. Petersen zeigte das Leben, wie es war: ein Kuss am Tresen, ein müdes Lächeln im Licht der Theke, ein betrunkenes Stolpern aus der Tür. Seine Aufnahmen wurden später im Fotoband Café Lehmitz veröffentlicht – ein Werk, das noch heute in Fotografie-Ausbildungen rund um den Globus besprochen wird.
Ein Abriss, der den Mythos nicht zerstören konnte
Das Original-Lehmitz wurde Ende der 1980er-Jahre abgerissen. Der Bau war alt, das Viertel im Umbruch. Doch der Name verschwand nicht. Noch heute gibt es an der Reeperbahn 22 eine Kneipe mit dem Namen Lehmitz. Geführt wird es von Marco Apfler, ein echter Kiezianer, Ziehkind vom schönen Klaus und Mitglied der Olivia Jones Family. Marco, der auch Tätowierer ist, ist sehr leicht zu erkennen: Sogar das ganze Gesicht, Augäpfel inklusive, ist tätowiert. Marco war viele Jahre einer unserer verdienten Kult Kieztouren Tourbegleiter, bevor er von Freunden gefragt wurde, ob er mit seiner Frau das Lehmitz übernehmen und in eine neue Zeit führen möchte. Ob es das gleiche Flair ist wie früher? Natürlich nicht ganz. Aber Atmosphäre und Musik stimmen immer noch: Bands spielen regelmäßig live – direkt auf dem Tresen, der zur Bühne umfunktioniert wird. Die Stimmung ist ausgelassen, die Getränke bezahlbar, der Boden klebrig – ein Stück St. Pauli eben.
Ein Symbol für das wahre Gesicht des Kiezes
Das Lehmitz steht bis heute sinnbildlich für das, was den Kiez wirklich ausmacht: nicht das Glitzerlicht der Musicaltheater, sondern die Nischen dazwischen. Menschen mit Vergangenheit. Begegnungen ohne Filter. Lärm, Liebe, Lebenshunger. Fotograf Petersen selbst sagte später, das Lehmitz sei für ihn „wie eine Familie“ gewesen – eine, die man sich nicht aussucht, aber die einen nicht fallen lässt. Diese Energie hat der Ort behalten, auch wenn die Gesichter sich verändert haben.
St. Pauli verstehen – vom Lehmitz aus gedacht
Wer St. Pauli verstehen will, beginnt am besten bei Orten wie dem Café Lehmitz. Nicht bei den Hochglanzbars oder Touristenattraktionen, sondern bei den Kneipen, in denen Geschichten geboren werden. Genau deshalb führen unsere Kult-Kieztouren auch an den Orten vorbei, die mehr sind als nur Fotomotive.
Wenn du das Lehmitz heute besuchst, trinkst du vielleicht ein Bier – aber du bekommst auch ein Gefühl dafür, wie viel Vergangenheit zwischen diesen Wänden klebt.
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