Kiez Legende Klaus Barkowsky, besser bekannt als „der schöne Klaus“ oder „Lamborghini-Klaus“, zählt zu den bekanntesten Figuren des Hamburger Rotlichtmilieus der 1970er und 1980er Jahre. Als Anführer der berüchtigten Nutella-Bande erlangte er nicht nur durch seine kriminellen Machenschaften, sondern auch durch sein extravagantes Auftreten große Bekanntheit. Sein Spitzname „der schöne Klaus“ rührte von seinem auffälligen Äußeren und seinem Sinn für Mode, was ihn zu einer Art Popstar des Milieus machte. Mit seinem schwarzen Lamborghini Countach LP 400 zog er die Blicke auf sich und verkörperte das Bild des erfolgreichen, selbstbewussten Zuhälters.
Barkowsky lebte den Luxus, den das Milieu bot, in vollen Zügen aus. Als einer der prominentesten Mitglieder der Nutella-Bande genoss er nicht nur materielle Annehmlichkeiten, sondern auch den Ruhm und die Macht, die mit seiner Position einhergingen. Er galt als charismatischer, aber auch berechnender Mann, der wusste, wie er Menschen für sich gewinnen konnte. Sein Erfolg auf dem Kiez basierte auf einer Mischung aus Charme, Kalkül, Härte und Skrupellosigkeit, weshalb ihn sowohl „seine“ Frauen als auch seine Rivalen fürchteten.
- Das Wichtigste in Kürze
- Auf einen Blick:
- Frühe Jahre und Aufstieg auf dem Kiez
- Warum das Eros-Center überhaupt möglich war
- Warum er „Lamborghini-Klaus“ hieß
- Die Nutella-Bande – und was Barkowsky selbst dazu sagte
- Klaus Barkowsky und Jutta: Was die Serie erzählt – und was belegt ist
- Familie und Privatleben von Klaus Barkowsky
- Der Ausstieg: eine Nacht am Hamburger Berg
- Niedergang der Nutella-Bande und Rückzug
- Der zweite Klaus: Maler in Altona
- Der Absturz: 10.000 Mark am Tag, 170 Euro Rente
- Abschied auf dem Kiez
- Barkowsky in den Medien: Die Serie „Luden“
- Der Kiez erzählt seine Geschichte gerade neu – und streitet darüber
- Auf seinen Spuren: die Orte
- Häufige Fragen zu Klaus Barkowsky
- Erlebe die Geschichte von Klaus Barkowsky hautnah
Das Wichtigste in Kürze
- Klaus Barkowsky (1953–2023), „der schöne Klaus“, war in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren einer der bekanntesten Zuhälter St. Paulis und gilt als Gründungsmitglied der Nutella-Bande. Er selbst hat das 1986 öffentlich bestritten.
- „Lamborghini-Klaus“ hieß er wegen eines schwarzen Countach LP 400, für den er 184.000 D-Mark zahlte, zu seiner Zeit der Preis eines Reihenhauses.
- Seine Zeit als Zuhälter endete nach einem Schuss in Charlys Nightbar am Hamburger Berg, an Ostersamstag 1982.
- Ab 2007 stellte er als autodidaktischer Maler aus. Am Ende lebte er von 170 Euro Rente und Grundsicherung.
- Er starb am 25. April 2023 in Altona, sieben Wochen nach dem Start der Amazon-Serie „Luden“.
- Jutta aus „Luden“ ist eine Serienfigur. Eine reale Partnerin dieses Namens ist in den öffentlich zugänglichen Quellen nicht belegt.
Auf einen Blick:
| Name | Klaus Dieter Barkowsky |
| Spitznamen | „der schöne Klaus“, „Lamborghini-Klaus“ |
| Geboren | 4. Oktober 1953 in Hamburg, aufgewachsen in Blankenese |
| Gestorben | 25. April 2023 in Hamburg-Altona, mit 69 Jahren |
| Auf dem Kiez | Zuhälter in den 1970er- und 1980er-Jahren, Nutella-Bande |
| Danach | Maler, erste Ausstellung 2007, Mitgründer der Künstlergruppe EWIG (2020) |
| Bekannt aus | Amazon-Serie „Luden – Könige der Reeperbahn“ (2023), SPIEGEL-TV-Reihe „Die bösen Jungs vom Kiez“, Arte-Dokumentation „Die Paten von St. Pauli“ |
Frühe Jahre und Aufstieg auf dem Kiez
Schon in jungen Jahren zog es Klaus Barkowsky in die schillernde Welt von St. Pauli und der Reeperbahn. Anders als oft behauptet stammte er nicht aus einem Arbeiterviertel: Barkowsky wuchs im bürgerlichen Blankenese auf, besuchte die Seemannsschule in Finkenwerder und fuhr zwei Jahre mit einem Schulschiff zur See. Mit 20 Jahren arbeitete er in einer Bar auf der Reeperbahn – und war nach wenigen Monaten deren Geschäftsführer. Zunächst arbeitete er als Türsteher und Boxtrainer, bevor er sich immer mehr ins Rotlichtmilieu wagte. Barkowskys Einstieg ins Zuhältergeschäft erfolgte schrittweise, doch dank seines guten Aussehens und seines ausgeprägten Geschäftssinns dauerte es nicht lange, bis er zu den einflussreichsten Akteuren aufstieg.
Wie alt er beim ersten Schritt ins Milieu wirklich war, ist bis heute umstritten. Manche Darstellungen nennen 15 Jahre, andere den Barchef mit 20. Auf dem Kiez hat sich nie jemand die Mühe gemacht, das zu klären.
Der junge Klaus Barkowsky war bekannt dafür, immer gut gekleidet und gepflegt zu sein, was ihm bei Frauen und Geschäftspartnern gleichermaßen Anerkennung verschaffte. Sein Charme und seine Selbstsicherheit halfen ihm, sich in einer brutalen Umgebung durchzusetzen. Als Mitglied und späterer Anführer der Nutella-Bande, einer der mächtigsten Zuhälterorganisationen auf St. Pauli, konnte Barkowsky seinen Einfluss stetig ausbauen. Die Bande dominierte das Geschäft und Barkowsky wurde zu einem Symbol für das blühende Nachtleben und die dunklen Seiten des Kiezes.
Was das konkret hieß, lässt sich beziffern. Barkowsky mietete drei Etablissements im Laufhaus „Eros-Center“, das Willi Bartels 1967 hatte bauen lassen und das lange als größtes Freudenhaus der Welt galt. Zeitweise schafften bis zu 15 Prostituierte im Dreischichtbetrieb für ihn an; in Spitzenzeiten brachte ihm das bis zu 10.000 D-Mark am Tag ein. Die Süddeutsche Zeitung zählte ihn später zu den einflussreichsten Zuhältern der Reeperbahn der 1980er Jahre. Diese Zahlen gehören zur Geschichte dazu – ebenso wie die Tatsache, dass sie von Frauen erwirtschaftet wurden, die an der Mauer standen.
Warum das Eros-Center überhaupt möglich war
Damit man versteht, worauf dieses Geschäftsmodell ruhte: Bordelle waren im westdeutschen Strafrecht verboten. Die großen „Eros-Center“, die ab Mitte der 1960er-Jahre in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und Köln entstanden, wurden von den Stadtverwaltungen gleichwohl geduldet. Die Frauen zahlten Miete, unterwarfen sich Polizeiauflagen und Hausordnungen und hatten weniger Freiheit bei der Wahl von Kunden, Preisen und Leistungen als auf der Straße. Über allem hing die jederzeit mögliche Anklage wegen Kuppelei. Die Forschung nennt Willi Bartels, den Eigentümer des Hamburger Eros-Centers, in einem Atemzug mit dem Titel „König von St. Pauli“. Wer wissen will, wie der Alltag dieser Frauen aussah, findet die zeitgenössischen Zahlen in der kriminologischen Studie „Weibliche Prostitution in Hamburg“ von Jürgen Kahmann und Hubert Lanzerath.
Warum er „Lamborghini-Klaus“ hieß
Der Legende nach wurde Barkowsky Anfang der 1970er-Jahre in seiner Corvette von einem Porsche 911 überholt. Danach suchte er ein Auto, mit dem ihm das nie wieder passieren würde. Es wurde zuerst ein Lamborghini Miura SV mit 385 PS, gekauft bei Auto Becker, später ein schwarzer Countach LP 400 mit 375 PS, den er dem früheren Rennfahrer Hubert Hahne abkaufte – für 184.000 D-Mark. Auf der Autobahn soll er damit 295 km/h gefahren sein. Zeitweise standen sechs Luxuswagen gleichzeitig in seinem Besitz.
Man muss diese Zahlen nebeneinanderlegen, um zu verstehen, was der Kiez damals war: Ein Countach kostete Mitte der 70er so viel wie ein Reihenhaus. Über die Voraussetzungen, damals auf dem Kiez eine Größe zu werden, sagte Barkowsky später selbst: „Du darfst nicht ganz doof sein, du darfst nicht ganz hässlich sein, und du darfst nicht ganz schwach sein.“
Die Nutella-Bande – und was Barkowsky selbst dazu sagte
In den Geschichtsbüchern des Kiez gilt Barkowsky als Mitgründer der Nutella-Bande, jener Gruppe junger Zuhälter, die Mitte der 1970er-Jahre antrat. Mitte der 80er gehörten rund 80 Zuhälter dazu; „Wir hatten ja 120 Frauen in elf Geschäften“, erinnerte sich Thomas Born später. Zu den Gründern zählten neben Barkowsky Peter Töpfer und Horst Reinhardt; Thomas Born war als „Karate-Tommy“ für die sogenannte Abteilung Stress zuständig. Ihr großer Gegenspieler war das Kartell GMBH, dessen Vereinslokal der „Silbersack“ nahe der Reeperbahn war.
Er selbst hat seine Mitgliedschaft bestritten – schriftlich und öffentlich. Am 20. Januar 1986 erschien im Hamburger Abendblatt der Artikel „Das Ende der Nutella-Bande“. Am 3. Februar 1986 druckte die Zeitung eine Gegendarstellung: Barkowsky stellte klar, dass er entgegen früherer Darstellung nicht 1982 erschossen worden sei – und erklärte im selben Atemzug, er sei nie Mitglied der Nutella-Bande gewesen. Wer heute über den schönen Klaus schreibt, zitiert meistens die Serie. Das Dokument von 1986 zitiert fast niemand.
Klaus Barkowsky und Jutta: Was die Serie erzählt – und was belegt ist
Privat führte Klaus Barkowsky ein Leben, das kaum weniger spektakulär war als sein öffentliches Image. Über sein Liebesleben gibt es zahlreiche Geschichten. Eine davon hat sich besonders festgesetzt: die von Jutta. Sie stammt aus der Amazon-Serie „Luden“. Dort ist Jutta eine Prostituierte, gespielt von Jeanette Hain, die aus dem jungen Klaus erst den Zuhälter macht. Seine Ehefrau ist sie auch in der Serie nicht – die heißt dort Heike und wird von Lara Feith gespielt. In den öffentlich zugänglichen Quellen zum echten Barkowsky, von der Presse zu seinem Tod bis zur NDR-Chronik der Nutella-Bande, taucht eine Partnerin namens Jutta nicht auf.
Belegt ist etwas anderes: Geheiratet hat Barkowsky tatsächlich – vor seinem Ausstieg 1986 eine dänische Millionärin, mit der er zeitweise in Miami und London lebte. Nach der Scheidung kehrte er nach Altona zurück.
Familie und Privatleben von Klaus Barkowsky
Über Klaus Barkowskys Frau und mögliche Kinder ist wenig bekannt, da der schöne Klaus sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushielt. Belegt ist inzwischen allerdings, dass er drei Kinder hinterließ: eine 1985 geborene Tochter, einen 1991 geborenen Sohn und – im Januar 2010, mit 56 Jahren – einen zweiten Sohn mit der deutsch-argentinischen Fotografin Claudia Tejeda. Über die Menschen dahinter schwieg er konsequent, und das respektieren wir hier auch (wir könnten mehr in Erfahrung bringen, denn immerhin ist einer unserer beliebtesten Tourbegleiter einer der Ziehsöhne vom schönen Klaus, aber: Was auf St. Pauli passiert, bleibt auf St. Pauli, weshalb wir zumindest hier nicht aus dem Nähkästchen plaudern).
Diese Zurückhaltung verstärkte das Bild eines Mannes, der sich ganz seinem Lebensstil und dem Geschäft verschrieben hatte. Für viele bleibt Barkowsky deshalb eine faszinierende und widersprüchliche Figur, die sowohl durch ihren Glamour als auch durch ihre Härte beeindruckte.
Der Ausstieg: eine Nacht am Hamburger Berg
Das Ende seiner Karriere als Zuhälter hatte eine Adresse: Charlys Nightbar, Hamburger Berg 29. Dort bezichtigte ihn am Ostersamstag 1982 ein österreichischer Zuhälter des Falschspiels und schoss ihn krankenhausreif. Danach war Schluss – wobei sich die Quellen uneins sind, ob der Ausstieg unmittelbar 1982 erfolgte oder erst 1986; beide Jahreszahlen stehen bis heute nebeneinander. Das Haus steht noch, die Bar gibt es so nicht mehr – die Straße ist bis heute eine der lautesten Adressen des Kiez.
Niedergang der Nutella-Bande und Rückzug
Ende der 1980er Jahre geriet die Nutella-Bande um Klaus Barkowsky zunehmend unter Druck, als die Behörden begannen, rigoroser gegen das Rotlichtmilieu vorzugehen. Die Angst vor AIDS und der steigende Druck von konkurrierenden Gruppen und dem Drogenhandel ließen das Geschäft einbrechen. Auch interne Spannungen innerhalb der Bande trugen dazu bei, dass Barkowsky sich mehr und mehr zurückzog. Schließlich entschied er sich, seine kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Der Zerfall begann früher und blutiger, als es diese Zusammenfassung nahelegt. Am 22. Oktober 1982 wurden Klaus Breitenreicher und Jürgen Becker im Bordell Bel Ami erschossen, am 8. April 1985 tötete der Auftragskiller Werner Pinzner Waldemar Dammer und Ralf Kühne; 1983 wurde Thomas Born verhaftet und verurteilt. Auch Barkowsky selbst blieb nicht straffrei: 1989 erhielt er seine erste Haftstrafe, nachdem er in einem Kiez-Bistro ein Messerwerfen veranstaltet und mit einer Klinge eine 21-Jährige in den Rücken getroffen hatte.
Bis zu seinem Tod lebte er zurückgezogen und hatte sich der Kunst zugewandt, was ihm eine neue Ausdrucksform für seine Erlebnisse bot. Mit der Serie „Luden“, die Barkowskys Leben und das der Nutella-Bande porträtierte, wurde ihm ein filmisches Denkmal gesetzt, das seine Geschichte für ein breites Publikum zugänglich macht.
Der zweite Klaus: Maler in Altona
Die meisten Texte über Klaus Barkowsky hören 1986 auf. Dabei dauerte sein zweites Leben länger als sein erstes. Als Autodidakt eignete er sich die naive Malerei an, arbeitete mit Acryl, Spachtel, Schabern, Kämmen und den bloßen Handflächen und sah seine Bilder selbst in der Nähe des abstrakten Expressionismus. Sein Atelier lag im Medusa-Forum in der Gärtnerstraße 48 in Eimsbüttel; dort eröffnete am 19. Juli 2007 seine erste Ausstellung.
Es folgten die Schau „Blutbilder – Prominente und Künstler gegen Krebs“ bei der Haspa im Winter 2009, die Galerie KAM im Februar 2010, eine Charity-Ausstellung zugunsten der Obdachlosenhilfe im Hansa-Theater 2021 und zuletzt das Erotic Art Museum Hamburg im April 2022. 2020 gehörte er zu den Mitbegründern der Künstlergruppe EWIG. Seine Bildtitel lesen sich wie ein Stadtplan seines Lebens – Reeperbahn, Große Freiheit, Boxer, Domenica:
- „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, 140 × 100 cm
- „Reeperbahn I“, 100 × 80 cm, und „Reeperbahn IV“, 100 × 70 cm
- „Große Freiheit“, 100 × 70 cm
- „Boxer Herbert Nürnberg“, 100 × 80 cm
- „Domenica im Himmel“ – gemalt für Domenica Niehoff, die berühmteste Prostituierte St. Paulis
Der Absturz: 10.000 Mark am Tag, 170 Euro Rente
Es gibt zwei Zahlen, die alles über dieses Leben erzählen. In den besten Jahren brachten ihm bis zu 15 Frauen im Dreischichtbetrieb bis zu 10.000 D-Mark am Tag ein. Im Januar 2022 stand er vor dem Amtsgericht, weil er am 28. Mai 2021 alkoholisiert in der Friedrichstraße und auf dem Hans-Albers-Platz den Hitlergruß gezeigt hatte. Zu Protokoll gab er dort: 5.000 Euro Schulden, 170 Euro Rente, Grundsicherung. Das Urteil lautete auf 50 Tagessätze à 30 Euro. Kokain, Alkohol, Klinikaufenthalte und Einsamkeit hatten den Rest erledigt.
Abschied auf dem Kiez
Am Vormittag des 25. April 2023 nahm sich Klaus Barkowsky in Altona das Leben. Er wurde 69 Jahre alt. Die Nachricht lief an diesem Tag über den Kiez wie ein Lauffeuer; Daniel Schmidt vom Elbschlosskeller und Carsten Marek von der Ritze gehörten zu denen, die sofort öffentlich um ihn trauerten.
Am 12. Mai 2023 versammelten sich Hunderte in der Fritz-Schumacher-Halle auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Kalle Schwensen hielt die Rede. Am 24. Mai wurde die Urne im engsten Kreis beigesetzt. Was blieb, war nicht viel: Die Erben schlugen die Erbschaft aus, der Nachlass kam im Oktober 2023 unter den Hammer.
Wenn es dir selbst nicht gut geht: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Barkowsky in den Medien: Die Serie „Luden“

Die Geschichte von Klaus Barkowsky und der Nutella-Bande wird in der Amazon-Serie „Luden“ eindrucksvoll erzählt. Die Serie beleuchtet seinen Aufstieg und zeigt, wie er zu einem der bekanntesten Zuhälter Hamburgs wurde. Sie verdeutlicht, wie sich das Leben im Milieu abspielte, welche Machtverhältnisse herrschten und wie schnell ein scheinbar unantastbarer Zuhälter vom Erfolg in den Abgrund stürzen konnte. Die Serie fängt die Atmosphäre der damaligen Zeit ein und gibt einen tiefen Einblick in die Strukturen, die den Hamburger Kiez geprägt haben.
Die harten Daten dazu: „Luden – Könige der Reeperbahn“ startete am 3. März 2023 bei Amazon Prime Video, zwei Tage nach der Kinopremiere in der Berliner Kulturbrauerei. Der Sechsteiler wurde zwischen dem 16. August und dem 23. November 2021 gedreht, Regie führten Laura Lackmann und Stefan Lukacs mit je drei Folgen, Produzent und Autor ist Rafael Parente. Aaron Hilmer spielt Klaus Barkowsky, Jeanette Hain spielt Jutta. Sieben Wochen nach dem Serienstart war der echte Klaus Barkowsky tot.
So eindrucksvoll die Serie ist – sie erzählt den Kiez konsequent aus der Perspektive des Luden. Die taz formulierte das so: „Es fehlen die Perspektiven der Frauen und Queers. Ihre Erfahrungen und ihre Arbeit bleiben unsichtbar.“ Genau das ist der Punkt, an dem eine Reeperbahn Führung etwas kann, was eine Serie nicht kann: die andere Hälfte der Geschichte erzählen – die der Frauen, die diese Lamborghinis bezahlt haben.
Barkowsky war im Übrigen mehrfach selbst vor der Kamera: 1998/99 in „St. Pauli Nacht“ und 2020 in „All the Guest Have Left“ als „Zwei-Pfennig-Prinz“. SPIEGEL TV widmete ihm die erste Folge der Reihe „Die bösen Jungs vom Kiez“, die Arte-Dokumentation „Die Paten von St. Pauli“ von Oliver Schwabe ordnet ihn zwischen Nutella-Bande und GMBH ein. Und die Hamburger Rapperin Haiyti setzte ihm 2023 mit „König der Unterwelt“ auf dem Album „Junky“ ein Denkmal.
Das letzte Wort hat er selbst: Am 8. Januar 2026 zeigte RTLZWEI die Sonderfolge „Reeperbahn privat! Das wahre Leben auf dem Kiez-Spezial“, produziert von Story House Productions. Darin erinnert sich Barkowsky im letzten Interview vor seinem Tod an das alte Milieu – neben Kiez-Urgesteinen wie dem früheren Bordellbetreiber Helmuth „Schnecke“ Wendt und Domina Manuela, der dienstältesten Sexarbeiterin der Herbertstraße. Wer den schönen Klaus noch einmal selbst sprechen hören will, findet ihn dort.
Der Kiez erzählt seine Geschichte gerade neu – und streitet darüber
Vor der Herbertstraße, an der Ecke zur Davidstraße, liegt seit dem 9. August 2024 ein messingner Gedenk-Bordstein für die im Nationalsozialismus verfolgten Sexarbeiterinnen, angestoßen vom Verein Lebendiges Kulturerbe St. Pauli und der Kirchengemeinde St. Pauli, finanziert mit 5.000 Euro aus Mitteln der Bezirksversammlung Mitte. Die Inschrift lautet: „Entrechtet – Ausgegrenzt – Ermordet. 1933–1945. Im Gedenken an die Frauen der Herbertstraße und anderswo“.
Unstrittig ist er nicht. Am Tag der Verlegung veröffentlichten die Sexarbeiter*in Ruby Rebelde, die Historikerin Frauke Steinhäuser und das St. Pauli-Archiv e. V. einen offenen Brief, mitgezeichnet unter anderem vom Berufsverband BesD, von Doña Carmen, Hydra, Ragazza, der Gesellschaft für Sexarbeits- und Prostitutionsforschung und dem Dachverband der Hamburger Geschichtswerkstätten. Ihre Einwände: Die Geschichte der Herbertstraße sei nicht ausreichend erforscht; es lasse sich bislang nicht belegen, dass Frauen direkt aus dieser Straße deportiert und ermordet wurden; heutige Sexarbeiterinnen seien nicht beteiligt worden; und die Verfolgung als „asozial“ sei keine Erfindung des NS-Regimes, sondern habe Vorläufer im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – mit Kontinuitäten bis heute.
Diese Kontinuität ist keine Theorie: In Hamburg gilt seit über einem Jahrzehnt eine Kontaktverbots-Verordnung, deren Zweck die Verdrängung sichtbarer Sexarbeit aus dem öffentlichen Raum ist. Und wer nach der Perspektive sucht, die in „Luden“ fehlt, findet sie nicht nur bei Frauen: Die bekannteste rekonstruierte Biografie einer wegen „gewerbsmäßiger Unzucht“ verfolgten Person ist die von Liddy Bacroff – 1908 geboren, 1936 und 1938 in Hamburg verurteilt, am 6. Januar 1943 im KZ Mauthausen ermordet.
Dass wir als Tourveranstalter Teil dieses Geschäfts sind, verschweigen wir dabei nicht: Die Stadtforschung beschreibt die Prostitution auf St. Pauli längst als vom Hamburger Stadtmarketing beworbene Touristenattraktion und als Standortfaktor. Uns ist wichtig, auf welcher Seite dieser Erzählung wir stehen.
Auf seinen Spuren: die Orte
Fünf Adressen, an denen sich die Geschichte des schönen Klaus festmachen lässt:
- Reeperbahn, ehemaliges Eros-Center: Hier mietete Barkowsky drei Etablissements in dem Laufhaus, das Willi Bartels 1967 bauen ließ.
- Herbertstraße: der Ort, an dem seine Frauen standen. Die Sichtblenden gehen auf das Jahr 1933 zurück. Seit dem 9. August 2024 liegt davor ein Gedenk-Bordstein – und es gibt einen fachlich begründeten Streit darüber, was dort genau erinnert wird.
- Hamburger Berg 29: Hier endete seine Zeit als Zuhälter.
- Silbersackstraße: Hier lag mit dem „Silbersack“ das Vereinslokal des konkurrierenden Kartells GMBH.
- Gärtnerstraße 48, Eimsbüttel: sein Atelier im Medusa-Forum.
Häufige Fragen zu Klaus Barkowsky
Erlebe die Geschichte von Klaus Barkowsky hautnah

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